Archive for category Kritik

14April2006

Das Leben der Anderen

Das Leben der AnderenDas Leben der Anderen ist endlich wieder ein deutscher Film, der auf der ganzen Linie überzeugen kann. Er beginnt 1984, fünf Jahre vor dem Fall der Mauer, und erzählt die Geschichte des Stasi-Hauptmanns Gerd Wiesler (HGW), der durch die Konfrontation mit dem Leben der Anderen immer größere Zweifel an seiner eigenen Weltanschauung und schließlich dem ganzen Überwachungsstaat entwickelt.
Dabei macht der Film glücklicherweise einen großen Bogen um jegliche Ostalgie-Duselei und überzeugt allein durch die glaubwürdigen und mitreißenden schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller. So vergehen die immerhin fast 2 1/2 Stunden auch wie im Fluge und man kann kaum glauben dass dies wirklich das Spielfilmdebüt von Florian Henkel von Donnersmarck ist. So muss ein intelligenter und spannender Politthriller aussehen. Wer sich auch nur im entferntesten für die Geschichte der DDR interessiert, sollte sich unbedingt diesen Film anschauen!

Bewertung: 5 von 6

 

Tom LiwaTom Liwa in Trier – kein seltenes Ereignis, aber ein Ereignis das man auf jeden Fall wahrnehmen sollte. Ich kam ja bisher erst einmal in den Genuss eines Tom Liwa Konzerts, und zwar fast genau vor einem Jahr in Leipzig (siehe auch meine Konzertkritik von damals) und musste die Gelegenheit, dem guten alten Tom quasi direkt vor meiner Haustür zu lauschen, natürlich beim Schopfe packen.

Los ging es etwas ungewohnt mit vor sich hin plätschernder Meditationsmusik. Dann nach einer knappen halben Stunde – ein bärtiger Mann betritt die Bühne. Ist das etwa Tom Liwa? Hmm, okay, hat sich seit dem letzten Mal ganz schön verändert. Aber auf Äußerlichkeiten sollte es ja heute Abend nicht ankommen. Um in die richtige Stimmung zu kommen, wurde erstmal der ganze Balkensaal mit mitgebrachten Kräutern (Weihrauch?) eingeräuchert. Immer und immer wieder. Dann verschwand Tom nochmal kurz hinter der Bühne und dann ging es auch schon los. Naja, zumindest nachdem er sich Schuhen und Strümpfen entledigt hatte und sein Hemd halboffen war.
Da Tom alleine war und nur zwei (halb-)akustische Gitarren und eine Harfe auf der Bühne standen, konnte man einen ruhigen, aber auch sehr schönen und entspannenden Abend erwarten. Von den Lieder kannte ich mal wieder nur etwa die Hälfte, aber das machte gar nichts. Denn das schöne an Tom Liwa Konzerten ist ja diese Intimität und das man einfach nur zuhören und die Texte auf sich wirken lassen kann. Trotzdem gab es natürlich auch einige mir bekannte Stücke, wie die Klassiker vom „St. Amour“ Album „Seltsames Mädchen“ in der Hautarzttochter-Version, „Für die linke Spur zu langsam“ in einer wunderschönen, ruhigen Akustik-Version, „Gib ihnen was sie wollen (brauchen)“, „Casanovas Rückkehr zum Planet(en) der Affen“ und als Zugabe ein etwas textunsicheres „Julianastraat“.
Ansonsten natürlich auch vieles von den letzten beiden Alben wie „Eliah“ oder „Traumdeuter“. Und schon was neues vom kommenden Flowerpornoes-Album: „Apfelkern“. Da darf man wirklich gespannt auf das neue Album sein. Und Klee sollen auf ihrem neuen Album auch wieder was von Tom covern. Bei seinem letzten Konzert in Köln durfte er nämlich für Klee die Akkorde von seinen Stücken rausschreiben. Tja, Faulheit siegt ;-)
Als zum ersten Mal an diesem Abend eine Saite riss, bekundete Tom seine Symphatie zur Eintracht Trier, die zeitgleich zum Konzert noch ein Spiel hatte, und erkundigte sich nach dem Spielstand, nur um kurz darauf mit den Fangesängen seines Heimatvereins MSV Duisburg loszulegen: Wir sind Zebras weiß blau, unser Klub, der MSV.. Ähm, ja ;-)
Als die zweite Saite des Abends riss, deutet sich leider langsam aber sicher das Ende des Konzerts an. Das letzte Lied wurde noch brav zu Ende gespielt und dann gab’s auf der Harfe noch einen kleinen Rausschmeißer: Ihr könnt nach Hause gehen, ihr könnt nach Hause gehen…. Tom hatte während des Konzerts keine Lust gehabt Harfe zu spielen, aber so ganz ohne konnte man ihn natürlich nicht gehen lassen. Ansonsten hat die Harfe aber immerhin super zur Deko gepasst.

Was mich mal wieder sehr gewundert hat ist, wie wenig bei dem Konzert los war. Grob geschätzt waren vielleicht 50 zahlende Gäste anwesend. Deutlich weniger als z.B. beim letzten Bernd Begemann Konzert. Einerseits schade, andererseits ist es aber natürlich auch schön dass man Tom noch immer in diesem kleinen gemütlichen Rahmen genießen darf. Ich sag nur erste Reihe…

Schließen möchte ich mit einem Zitat aus einem der schönesten Lieder des aktuellen Albums „Glauberg/California“, „Eliah“:

Ich bin dabei zu lernen mich nicht mehr zu beschweren
mich nicht mehr gegen die Erfahrung zu wehren
aus freiem Herzen meinen eigenen Weg zu wählen
ohne zu rechnen, ohne zu zählen

Bewertung: 6 von 6

 
19Februar2006

Walk the Line

Walk the Line

Walk the Line – ein ganzer Film über Johnny Cash, aber ohne die Musik von Johnny Cash? Kann das funktionieren? Natürlich spielt Johnny Cash im Film viele seiner alten Hits, aber es ist nicht wirklich Johnny Cash der hier singt, sondern Joaquin Phoenix. Die Rolle von June Carter wurde gespielt und gesungen von Reese Witherspoon. Und man muss schon sagen, RESPEKT!! Natürlich haben beide nur entfernt optische Ähnlichkeiten zu den dargestellten, aber schauspielerisch und wirklich auch gesanglich ist die Leistung über jeden Zweifel erhaben und man nimmt ihnen die Rollen sehr schnell ab.
Von den ersten Minuten des Films an ist man gebannt und verfolgt mit großer Spannung die bewegte Geschichte des wohl bekanntesten aller Countrysänger. Der Film beginnt und endete mit dem sagenumwobenen Auftritt Johnny Cashs im Folsom State Prison 1968 und erzählt dazwischen die ganze Geschichte von seiner Kindheit bis eben zu diesem Wendepunkt seiner Karriere im Gefängnis. Hier gibt es natürlich ganz viel gute Musik auf die Ohren, aber hauptsächlich beschäftigt sich der Film mit den immer schlimmer werdenden Drogenproblemen Cashs und seiner anhaltenden Liebe zu June Carter.
Ein Film, der spannender und unterhaltsamer nicht sein könnte und sehr gut die Stimmung der 50er und 60er Jahre einfängt. Elvis Presley und Jerry Lee Lewis inklusive. Unbedingt anschauen!

Bewertung: 6 von 6

 

Project 54 Live

Jetzt gibt’s Project 54 schon seit über fünf Jahren – da ist es doch an der Zeit mal eine professionell aufgenomme Platte rauszubringen, die versucht, die Energie und den Spielspaß dieser hervorragenden Band einzufangen. Diese neue Platte hört auf den schönen Namen “PuPoRoSka Island” und enthält genau wie das Demotape von 2001 ausschließlich eigene Songs, 10 an der Zahl (wobei der zehnte Song, “Stop” auch schon auf dem Demotape enthalten war, hier aber natürlich nochmal neu aufgenommen und abgemischt).

Aber wir kommen hier zum eigentlichen Event, der Record Release Party. Wie man in der Bildergalerie sehen kann, haben sich die Jungs (und bestimmt auch Mädels) richtig Mühe geben, und die Tufa Trier kurzzeitig in eine kleine Insel verwandelt, nämlich PuPoRoSka Island. Cocktails und Sonnenschirm natürlich inklusive :-) Nachdem Spinning Wheel das Publikum schonmal ordentlich mit Rock’n'Roll-Klassikern aufgewärmt hat, rückte der Verkaufsstart der neuen CD immer näher. Und dann wurde sie auch schon live präsentiert, natürlich komplett. Und live kommt das alles schon sehr druckvoll rüber. Auch wenn ich die meisten Songs schon kannte, sorget Project 54 doch noch für die ein oder andere Überraschung. So waren als Live-Unterstützung noch Yvonne von den Dirty Sheeps und als mein persönliches Highlight noch die Bläser von Spy Kowlik anwesend. Nachhören kann man das ganze natürlich auch auf dem Album.
Nach einer knappen Stunde war die Vorstellung der neuen Platte leider auch schon zum Ende. Als Zugabe gab es dann aber noch diverse Coverversionen vom Farin Urlaub Racing Team, Shaggy (wie immer göttlich), The Darkness oder Blink 182… Oh, und noch ein sehr tolles improvisiertes Blitzkrieg Bop von den Ramones (nochmal mit Yvonne am Gesang).

Alles in allem war’s eine sehr schöne Party im kleinen Rahmen. Hoffentlich muss man auf die nächste nicht wieder fünf Jahre warten…

Bewertung: 6 von 6

 
05Januar2006

King Kong

King Kong

Ja, ich muss es gestehen…das hier ist die erste King Kong-Verfilmung, die ich mir angesehen habe. Sicher kenne ich die berühmten Szenen…King Kong auf dem Hochhaus und so…aber ich kenne wirklich nur die Ausschnitte. Vielleicht sollte ich doch mal zum Vergleich einen Klassiker ansehen.
Das Remake von Peter Jackson muss sich aber auf keinen Fall verstecken, denn das hier ist auf jeden Fall Kino vom Feinsten. In den 3 Stunden will einfach keine Langeweile aufkommen. Die Story wird mit vielen kleinen Details erzählt, die nicht unbedingt zum weiteren Handlungsverlauf des Films beitragen, ihn aber umso mehr liebenswert machen. Neben Sin City ist dies definitiv einer der besten Filme des letzten Jahres (die ich gesehen habe)!

Bewertung: 6 von 6

 

Harry Potter und der Feuerkelch

Und noch eine Harry Potter-Verfilmung. Bei den Büchern hab ich ja bereits nach dem ersten Band aufgegeben, aber das lag weniger am Buch selbst, sonder vielmehr an meiner (knappen) Freizeit. So ein Film lässt sich doch erheblich besser konsumieren als ein ganzes Buch :-)
Nachdem die ersten Teile ja schon sehr kindgerecht waren, ist Harry Potter mittlerweile in der Erwachsenenwelt angelangt (zumindest mehr oder weniger). Und so ist “Harry Potter und der Feuerkelch” auch nicht mehr wirklich lustig, sondern im Gegenteil eher düster. Doch ich finde gerade das macht den Reiz aus. Schade dass es mit den Verfilmungen so langsam dem Ende zugeht, denn das hier ist der bisher beste Harry Potter-Film. Mit Abstand! Und die knapp 2 3/4 Stunden vergehen wie im Flug…

Bewertung: 5 von 6

 
31Dezember2005

Best of 2005

Ich erinner mich ja noch zu gut was für Probleme ich letztes Jahr hatte als ich meine Lieblingsalben des Jahres zusammenstellen wollte. Und dieses Jahres wurde es irgendwie nicht besser. Kann es etwa sein dass endlich wieder gute Musik rausgebracht wird? Wurde aber auch Zeit! Ohne viel rumzureden also jetzt einfach meine Favoriten…

Die Alben des Jahres 2005

Top 10 Alben deutsch

  1. Farin Urlaub: Am Ende der Sonne
  2. Wir sind Helden: Von hier an blind
  3. Olli Schulz & der Hund Marie: Das beige Album
  4. kettcar: Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen
  5. Madsen: Madsen
  6. Hansen Band: Hansen Band
  7. Die toten Hosen: Nur zu Besuch · Unplugged im Wiener Burgtheater
  8. Seeed: Next!
  9. Funny van Dannen: Nebelmaschine
  10. Culcha Candela: Next Generation

Top 10 Alben international

  1. Maxïmo Park: A Certain Trigger
  2. Bloc Party: Silent Alarm
  3. Jack Johnson: In Between Dreams
  4. Franz Ferdinand: You Could Have It So Much Better
  5. Audioslave: Out of Exile
  6. Brendan Benson: The Alternative to Love
  7. Jason Mraz: Mr. A-Z
  8. Beck: Guero
  9. Fort Minor: The Rising Tied
  10. Adam Green: Gemstones

Top 10 Singles

  1. Maxïmo Park: Apply Some Pressure
  2. Bloc Party: Helicopter
  3. Farin Urlaub: Dusche
  4. Fettes Brot: Emanuela
  5. Madonna: Hung Up
  6. Hund am Strand: Jungen Mädchen
  7. Wir sind Helden: Von hier an blind
  8. Hansen Band: Baby Melancholie
  9. Jack Johnson: Sitting, Waiting, Wishing
  10. Gorillaz: Feel Good Inc.

Top 10 Live

  1. Farin Urlaub Racing Team in Trier
  2. Tom Liwa in Leipzig
  3. Virginia JetztJ! Unplugged in Frankfurt
  4. Wir sind Helden in Püttlingen
  5. The Busters in Saarbrücken
  6. Moneybrother in Püttlingen
  7. Bernd Begemann in Leipzig
  8. Spinning Wheel in Trier (FH Sommerfest)
  9. Nova International Unplugged in Frankfurt
  10. Snailshouse in Trier

Top 10 Kino

  1. Sin City
  2. Star Wars III · Die Rache der Sith
  3. Keine Lieder über Liebe
  4. Batman Begins
  5. Corpse Bride · Hochzeit mit einer Leiche
  6. Charlie und die Schokoladenfabrik
  7. Transporter · The Mission
  8. In 80 Tagen um die Welt
  9. Per Anhalter durch die Galaxis
  10. Barfuss

Okay, soviel zu meinen Bestenlisten. Wir sehen uns im neuen Jahr! Und wer will kann gerne seine Favoriten als Kommentar hinterlassen. Ich würd mich freuen :-)