Archive for category Kritik

Jan Josef Liefers live auf dem Altstadtfest Trier 2008 - 5

Nachdem ich gestern zufällig mitbekommen habe, dass Jan Josef Liefers auf dem Trierer Altstadtfest auftreten wird, habe ich nicht lange gezögert und mich abends auf den Weg zur Porta Nigra gemacht. Mit etwas Verspätung ging es dann gegen halb 10 auch endlich los. Überraschend für mich sang Jan Josef Liefers (begleitet von seiner Band Oblivion) auf deutsch. Ich hatte im Hinterkopf noch die alten englischsprachigen Songs Ende der 90er/Anfang 2000 und war doch etwas verdutzt. Dazu kam noch, dass Jan Josef Liefers an diesem Abend ausschließlich Ostrock spielte. Ganz schön harte Kost, aber das Konzept des Konzerts war eine musikalische Zeitreise in die DDR seiner Kindheit und Jugend. Um den sozial- und systemkritischen Titeln etwas die Schwere zu nehmen, war der Auftritt gespickt mit ausführlichen Anekdoten an die alte Zeit und vielen eingestreuten Sprachsamples (Honecker, Ulbricht, Propagandaschlager, etc.), die für den ein oder anderen Lacher sorgten. Sicherlich war der musikalische Teil etwas anstrengend, weil man wirklich nur wenige Stücke kannte, aber schon ab dem zweiten Song, „Wenn ein Mensch lebt”, war ich versöhnt.
Auch wenn Ostrock an sich für mich immer etwas befremdlich bleiben wird, war es insgesamt eine wirklich spannende Zeitreise.

Laut Wikipedia gibt es zur Tour wohl auch ein Album (oder vielleicht eher andersrum), welches ich bisher aber leider nirgendwo finden konnte.

Fotos zum Konzert gibt’s bei flickr.

 

Fotos live in Trier

Nachdem das Debüt der Band Fotos ja schon zu meinen absoluten Lieblingsplatten und -neuentdeckungen des letzten Jahres zählte (vor allem aufgrund des Überhits „Komm zurück”, den die meisten wahrscheinlich noch nie gehört haben), war ich natürlich umso mehr erfreut, diese junge Indierockband endlich mal live erleben zu dürfen. Leider gibt es aber vor manchen Konzerten eine „Vorgruppe”, die ihr bestes geben, einem das Konzert zu versauen. So geschehen auch heute abend vor Fotos.
Es spielte recht kurzfristig, warum auch immer, die Trierer Formation Komputer. Ihre Musikrichtung: Elektropunk. Also Beats aus der Konserve, quäkende Synthies und ne verzerrte Gitarre (bzw. ein verzerrter E-Bass). Dazu übersteuerter „Gesang” oder sowas ähnliches. Also ein paar Minuten ist das ja ganz nett, aber dann fängt das ganz schnell an zu nerven, weil es einfach keine richtigen Songs sind, weil es keine Riffs gibt an denen man sich festhalten kann, und weil die Rhythmen jetzt auch nicht interessant waren, als dass man sich damit über das Konzert hätte retten können. Aber naja, sie haben sicherlich alles gegeben, ich bin ja auch eigentlich sehr aufgeschlossen, was elektronische Musik angeht, aber das war wirklich nix. Wer sich trotzdem mal was von „Komputer” anhören möchte, kann ja mal auf deren myspace-Seite reinschauen.
Okay, kommen wir endlich zu Fotos, der Band die man in Google aufgrund ihres Namens nie so richtig schnell finden kann. Aber egal, nach Trier haben sich immerhin einige wenige Fans eingefunden. Das Forum, ein kleiner ehmaliger Kinosaal war immerhin zu gut zwei Dritteln gefüllt. Und Fotos haben den Laden gerockt. Energiegeladener und unverbrauchter Indierock, der gute Laune verbreitet und zum Tanzen animiert. Vorgetragen von einer jungen Band, die mit Herz und Seele dabei ist und sichtlich Spaß hat an dem was sie machen. Dazu ein Album in der Hinterhand das eigentlich ausschließlich aus potenziellen Singles besteht. Was kann da noch schiefgehen? Eigentlich nicht viel. Und Fotos konnten wirklich überzeugen, weil die Energie der Platte auch live sehr gut rübergekomemn ist und das ganze live sogar noch eine kraftvoller war. Einziger Wehrmutstropfen des Abends – er war etwas kurz. Mit nur einem Album (+ der B-Seite „Wochenender” und dem noch unveröffentlichten Titel „Tag für Tag”) kann man halt keinen ganzen Abend füllen. Dafür gab’s dann aber nach dem regulären Set noch zwei Zugabenblöcke, in denen „Ich bin für dich da” in Gedenken an die Auflösung von Blumfeld noch einmal im „Apfelmann Remix” und „Du löst dich auf” und „VIele” im Quasi-Akustikgewand (Gesang und zwei unverzerrte E-Gitarren) dargeboten wurden. Und als Highlight des Abends gab es noch eine unglaublich rockige Version des Deichkind-„Hits” „Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)” (deren Album „Aufstand im Schlaraffenland” wahrscheinlich das von mir fälschlicherweise am meisten missachtete Album des letzes Jahres ist).
Yippie Yipie Yeah Yippie Yeah, Krawall und Remmi Demmi! Nächstes Mal bitte länger als 90 Minuten spielen und die Vorgruppe wechseln! Ansonsten war alles super! Weiter so!

P.S. Sorry wegen der grauenhaften Fotos, die ich in letzter Zeit zu den Konzertberichten poste. Ich bin noch meine Handy-Kamera am ausprobieren, aber irgendwie ist die für Konzertfotos absolut nicht zu gebrauchen. Schade eigentlich…

 
23Januar2007

Casino Royale

Casino Royale PlakatEndlich hab ich’s mal geschafft, mir einen James Bond Film im Kino anzusehen…und dazu noch einen richtig guten. Also ich war am Anfang ja auch skeptisch, ob Daniel Craig die Rolle des James Bond glaubhaft rüberbringen kann, aber ich war dann doch sehr positiv überrascht. Endlich erlebt man den Doppel-Null-Agenten mal von einer etwas härteren Seite, das Geheimagentenleben ist sicherlich kein Zuckerschlecken. Von der ersten Minute an kann der Film mit atemberaubenden Actionsequenzen aufwarten, die die Meßlatte für andere Actionproduktionen wieder ein gutes Stück höher legen dürften. Also die Parkour-mäßige Verfolgungsjagd zum Anfang hin ist eigentlich kaum zu toppen. Und doch gibt es hier und da immer mal wieder überraschende Wendungen, die die Spannung aufrecht erhalten. Und auch wenn es gerade zum Ende hin doch einige etwas schmalzige Szenen gibt…Schwamm drüber, das hier ist definitiv einer der guten James Bond Filme. Einer der besten der letzten Jahre. Kann man sich auf jeden Fall anschauen und Spaß dabei haben :-)

 

Bernd Begemann live im Exhaus

Ein gutes Jahr nach seinem letztem Auftritt im Exhaus hat sich Bernd Begemann heute endlich mal wieder in Trier blicken lassen. Im Gepäck natürlich das neue Album „Ich werde sie finden”, auch wenn es davon live überraschend wenige Stücke zu hören gab. Was aber ganz und gar kein Manko darstellen sollte, da der gute Herr Begemann ja auf ein umfangreiches Repertoire zurückgreifen konnte. Neben den Klassikern „Unten am Hafen”, „Fernsehen mit deiner Schwester”, „Nichts erreicht außer dir”, „Bleib zuhause im Sommer”, „Zweimal 2. Wahl” und vielen anderen mehr gab es aber auch den Live-Kracher des letzten Jahres „IKEA-Falle”, der es verdientermaßen auf das aktuelle Album geschafft hat.
Gewissermaßen war es mal wieder ein typisches Bernd Begemann Konzert, bei dem man nie so genau weiß was einen erwartet. Ein festes Programm gibt es nicht, der Bernd spielt was er eben spielen will, erfüllt aber auch gerne Publikumswünsche (selbst wenn er einige der gewünschten Stücke eigentlich nicht mehr spielen mag). Da er wieder alleine unterwegs war, gab es wie üblich auch einige karaoke-mäßige Versionen seiner Stücke, d.h. Halbplayback + theatralisches Schauspiel + versuchen die Töne zu treffen. Immerhin blieben einem die Drumcomputer-Orgien vom letzten Jahr erspart, dieses Mal hatte er zu zwei Rasseln zum Rhythmus angeben dabei.
Den Großteil des Abends gibt der Begebernd aber glücklicherweise dem Publikum was es will, nämlich den elektrischen Liedermacher. Rockigen Indie-Pop mit Improvisationen an jeder möglichen Stelle, die einfach nur gute Laune verbreiten. Und natürlich auch viele nicht ganz ernst gemeinte Ratschläge des Hobby-Philosophen.
Highlight des Abends waren die letzten beiden Publikumswunsch-Zugaben nach über 3 Stunden Konzert. Zuerst „Kein Glück im Osten” mit einer grandiosen Version von „Summer of 69” (von Bryan Adams) und „With or Without You” bzw. „One” (von U2). Einfach großartig. Und dann noch der Wunsch von Marie aus dem Publikum, die unbedingt noch „Wir werden tanzen” hören wollte. Gab’s dann auch, aber nur wenn sie mitsingt. Nach einigem hin und her stand sie dann auch prompt auf der Bühne und hat ihre Aufgabe mit Bravour gemeistert.
Und so ging nach knapp 3 ½ Stunden wieder ein sehr schöner Abend dem Ende zu. Aber der Bernd wird wiederkommen, ganz bestimmt. Und dann vielleicht auch mal wieder mit Band? Wäre schön…

 

Mission: Impossible IIIMan kann ja zu Tom Cruise stehen wie man will. Sicher ist er eine kontroverse Person und würde manchmal besser den Mund halten, aber das ist für mich dann doch kein Grund, mir keine Filme mehr mit ihm anzusehen. Vor allem, wenn es um den neuesten Teil der Mission: Impossible-Reihe geht, der wirklich über jeden Zweifel erhaben ist. Das liegt zum Großteil sicher an der Regie von J.J. Abrams, der nach den TV-Serienerfolgen „Alias” und „Lost” hier seinen ersten abendfüllenden Spielfilm präsentiert. Endlich darf man den IMF-Spezialagenten Ethan Hunt mal von einer etwas menschlicheren Seite erleben, was dem Film sichtlich gut tut. Natürlich sind viele Aktionen immer noch sehr realitätsfern, aber es geht ja schließlich auch um unmögliche Missionen, also ist das schon in Ordnung.
Man stellt sich nur die Frage, was es die ganze Zeit mit der Hasenpfote auf sich hat. Aber eigentlich ist das auch nebensächlich.
Interessant für Lost-Fans ist noch der Abspann. Zumindest für Lost-Fans, die bereits die zweite Staffel verfolgen. Da laufen zum Schluß doch tatsächlich Danksagungen an die Hanso Foundation über die Leinwand. Irgendwie typisch J.J.… :-)

Bewertung: 6 von 6

 

Deconstruction! 2006Was im Jahr 1999 mit einer Tour durch ganz Europa begann, fand jetzt mit nur noch einer Veranstaltung im Jahre 2006 wahrscheinlich sein Ende. Die Rede ist von der Deconstruction!-Tour, die in den letzten Jahren eigentlich immer ein interessantes Aufgebot an Punkbands und Skateboard- und BMX-Künstlern zu bieten hatte. Dieses Jahr gab’s leider nicht mehr ganz so illustre Gäste, auch das Rahmenprogramm ist komplett unter den Tisch gefallen. Die Veranstaltung wurde von der großen Arena in die kleine Messehalle verlegt. Und die wurde nichtmal voll. Die Jugend hört heute anscheinend nur noch Aggro-HipHop. Anders ist die Misere eigentlich kaum zu erklären…
Naja, zum Abschluß gab’s dann aber wenigstens noch zwei Topacts zu bewundern, nämlich No use for a Name und Me First and the Gimme Gimmes. Von den anderen auftretenden Künstlern hatte ich vorher noch nichts gehört und deshalb habe ich auch darauf verzichtet, mich 7 Stunden mit Punkrock zudröhnen zu lassen. Zumal die Akustik in der Messehalle auch eher suboptimal ist…sprich, es dröhnt wirklich.
Daher ging’s dann für uns erst gegen 20.00 Uhr los. Noch ein bisschen The Bouncing Souls, Raised Fist und dann ging’s zum Glück in den melodiöseren Teil des Abends über.
Die Punkrock-Veteranen No Use for a Name stürmen die Bühne. Endlich steigt die Stimmung in der Halle. Die Menge tanzt und pogt fröhlich vor sich hin und endlich kann man auch mal mitsingen. Die Distanz die bei den vorherigen Bands aufgekommen ist, ist jetzt jedenfalls vergessen. Leider ist der Auftritt etwas kurz geraten, aber das ist bei Festivals ja nicht anders machbar.
Bleibt also noch der Hauptact: Me First and the Gimme Gimmes, die Punkrock-Supergroup, die ausschließlich Coverversionen spielen. Hab ich mir live irgendwie anders vorgestellt, also vor allem die Typen waren schon echt kurios mit ihren Glitzergitarren. Und Spike Slawson, der Sänger, kann wirklich absolut nicht singen. Aber darum ging es auch gar nicht, denn alle wollten nur eine riesige Party feiern und Spaß haben. Und dieses Ziel wurde auf jeden Fall erreicht. Die besten Hits der 60er bis heute, plus einige Kostproben aus dem demnächst erscheinenden Western-Cover-Album. Man darf gespannt sein, was da noch auf uns zukommen wird…
Alles in allem war es ein sehr schöner Abend, und falls es wirklich das letzte Deconstruction!-Konzert gewesen sein soll, auch ein würdiger Abschluß. Und wann wird man schon nochmal die Chance haben, Me First live zu sehen? Die Gelegenheit durfte man sich einfach nicht entgehen lassen…

Bewertung: 5 von 6

 
18April2006

Inside Man

Inside ManNach einer halben Ewigkeit kommt Inside Man endlich in die Kinos. Zumindest fühlt es sich wie eine halbe Ewigkeit an, weil der von mir immer gern gehörte Podcast zum Film jetzt auch schon gut 7 Monate her ist. Aber das Warten hat sich definitiv gelohnt. Denn auch wenn es nur um einen Banküberfall geht…Regisseur Spike Lee macht etwas besonderes daraus. Eine intelligente Story, sehr guter und passender Einsatz von Musik und Schnitt, überzeugende Schauspieler…dieser Film lässt wirklich keine Wünsche offen und unterhält von Anfang bis Ende. Und das sind immerhin gute 2 Stunden…
Endlich wieder ein intelligenter Hollywood-Thriller, den man sich auch gerne ein zweites Mal anschaut…

Bewertung: 6 von 6