Tom Liwa in Trier – kein seltenes Ereignis, aber ein Ereignis das man auf jeden Fall wahrnehmen sollte. Ich kam ja bisher erst einmal in den Genuss eines Tom Liwa Konzerts, und zwar fast genau vor einem Jahr in Leipzig (siehe auch meine Konzertkritik von damals) und musste die Gelegenheit, dem guten alten Tom quasi direkt vor meiner Haustür zu lauschen, natürlich beim Schopfe packen.
Los ging es etwas ungewohnt mit vor sich hin plätschernder Meditationsmusik. Dann nach einer knappen halben Stunde – ein bärtiger Mann betritt die Bühne. Ist das etwa Tom Liwa? Hmm, okay, hat sich seit dem letzten Mal ganz schön verändert. Aber auf Äußerlichkeiten sollte es ja heute Abend nicht ankommen. Um in die richtige Stimmung zu kommen, wurde erstmal der ganze Balkensaal mit mitgebrachten Kräutern (Weihrauch?) eingeräuchert. Immer und immer wieder. Dann verschwand Tom nochmal kurz hinter der Bühne und dann ging es auch schon los. Naja, zumindest nachdem er sich Schuhen und Strümpfen entledigt hatte und sein Hemd halboffen war.
Da Tom alleine war und nur zwei (halb-)akustische Gitarren und eine Harfe auf der Bühne standen, konnte man einen ruhigen, aber auch sehr schönen und entspannenden Abend erwarten. Von den Lieder kannte ich mal wieder nur etwa die Hälfte, aber das machte gar nichts. Denn das schöne an Tom Liwa Konzerten ist ja diese Intimität und das man einfach nur zuhören und die Texte auf sich wirken lassen kann. Trotzdem gab es natürlich auch einige mir bekannte Stücke, wie die Klassiker vom „St. Amour“ Album „Seltsames Mädchen“ in der Hautarzttochter-Version, „Für die linke Spur zu langsam“ in einer wunderschönen, ruhigen Akustik-Version, „Gib ihnen was sie wollen (brauchen)“, „Casanovas Rückkehr zum Planet(en) der Affen“ und als Zugabe ein etwas textunsicheres „Julianastraat“.
Ansonsten natürlich auch vieles von den letzten beiden Alben wie „Eliah“ oder „Traumdeuter“. Und schon was neues vom kommenden Flowerpornoes-Album: „Apfelkern“. Da darf man wirklich gespannt auf das neue Album sein. Und Klee sollen auf ihrem neuen Album auch wieder was von Tom covern. Bei seinem letzten Konzert in Köln durfte er nämlich für Klee die Akkorde von seinen Stücken rausschreiben. Tja, Faulheit siegt ![]()
Als zum ersten Mal an diesem Abend eine Saite riss, bekundete Tom seine Symphatie zur Eintracht Trier, die zeitgleich zum Konzert noch ein Spiel hatte, und erkundigte sich nach dem Spielstand, nur um kurz darauf mit den Fangesängen seines Heimatvereins MSV Duisburg loszulegen: Wir sind Zebras weiß blau, unser Klub, der MSV.. Ähm, ja ![]()
Als die zweite Saite des Abends riss, deutet sich leider langsam aber sicher das Ende des Konzerts an. Das letzte Lied wurde noch brav zu Ende gespielt und dann gab’s auf der Harfe noch einen kleinen Rausschmeißer: Ihr könnt nach Hause gehen, ihr könnt nach Hause gehen…. Tom hatte während des Konzerts keine Lust gehabt Harfe zu spielen, aber so ganz ohne konnte man ihn natürlich nicht gehen lassen. Ansonsten hat die Harfe aber immerhin super zur Deko gepasst.
Was mich mal wieder sehr gewundert hat ist, wie wenig bei dem Konzert los war. Grob geschätzt waren vielleicht 50 zahlende Gäste anwesend. Deutlich weniger als z.B. beim letzten Bernd Begemann Konzert. Einerseits schade, andererseits ist es aber natürlich auch schön dass man Tom noch immer in diesem kleinen gemütlichen Rahmen genießen darf. Ich sag nur erste Reihe…
Schließen möchte ich mit einem Zitat aus einem der schönesten Lieder des aktuellen Albums „Glauberg/California“, „Eliah“:
Ich bin dabei zu lernen mich nicht mehr zu beschweren
mich nicht mehr gegen die Erfahrung zu wehren
aus freiem Herzen meinen eigenen Weg zu wählen
ohne zu rechnen, ohne zu zählen
Bewertung: 6 von 6





