| Stockhausen, Bill Gates und ich | Project 54 im Cubiculum Trier, 02.04.2005 |
1:04 pm
Album der Woche 3/2005: Wise Guys – Wo der Pfeffer wächst
Nach fast 11 Wochen Pause (ohje) soll es jetzt endlich weitergehen mit meiner Rubrik „Album der Woche“. Ich hab brav Buch geführt über meine Favoriten der letzten Wochen und hoffe dass ich meinen Rückstand irgendwann wieder aufholen kann. Als ob nichts gewesen wäre geht es jetzt also weiter mit dem Album der 3. Woche des langsam schön werdenden Jahres 2005: die Wise Guys mit „Wo der Pfeffer wächst“.
„Wo der Pfeffer wächst“ ist das Nachfolgealbum zum schon ziemlich erfolgreichen Vorgänger „Klartext“ (damals immerhin Top 10!). Anders als z.B. die Prinzen, die ja recht früh damit begonnen haben, ihre Musik mit richtigen Instrumenten aufzupeppen, sind die Wise Guys der A-Capella-Musik treugeblieben. Alles was man auf diesem Album zu hören bekommt sind Stimmen. Dass es trotzdem nie langweilig wird versteht sich bei den Wise Guys aber von selbst
Eröffnet wird das Album vom Titeltrack „Wo der Pfeffer wächst“. Und der Titel ist Programm. „Gepfefferte“ Texte und eine sehr dynamische musikalische Begleitung, die einen sofort vergessen lässt, dass hier keine Instrumente mitspielen. Wozu auch? Mit der Stimme geht‘s doch genauso gut, wenn nicht sogar noch besser. Von so einem knackigen Bass wie hier können jedenfalls manch andere Künstler nur träumen..
Nächster Stopp ist das selbstironische „Einer von den WISE GUYS“, in dem die Wise Guys auf sehr unterhaltsame Weise ihre steigende Popularität verarbeiten. Und dann geht‘s auch schon direkt weiter zu einem bekannteren Song, der schon auf der letzten EP war – „Früher“:
Ich finde es zum Kotzen,
dass heute alle meckern,
dass früher alles besser war.
Für mich ist völlig klar:
Das ham die Leute früher nicht gemacht.
Die haben sich gedacht:
„Tolle Zeiten, Mann!“
Die waren froh und bescheiden.
Alle waren nett und jeder konnte jeden leiden.
Früher war alles viel besser.
Beim nächsten Titel „Du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf“ kann ich irgendwie nicht anders, als die ganze Zeit mit dem Kopf mitzunicken. Das Stück groovt einfach ohne Ende und will einem auch nicht mehr aus dem Kopf gehen (Baaaaaaaaby). Die Art des Strophengesang ist inspiriert von Ed Robertson von den Barenaked Ladies und vielleicht ist das auch der Grund, warum das Lied eines von meinen absoluten Highlights dieses Albums ist.
„Nur für dich“ schaltet dann wieder einen Gang zurück, zumindest am Anfang. Es ist eine Abrechnung mit einer verflossenen Liebe, die erst ganz harmlos beginnt und dann zum Schluß hin bitterböse wird. Auf jeden Fall ein Anspieltipp:
Ich bin nur für dich mit dir in Bridget Jones gegangen.
Ich hab‘ nur für dich mit dem Joggen angefangen.
Ich lief nur für dich stundenlang durch diesen Park.
Ich aß nur für dich fettreduzierten Früchtequark.
„Du kannst nicht alles haben“ (dschäng dschäng
ist wieder ein typischer Wise Guys Song. Textlich irgendwie mich das ganze an 1000 Dinge von Funny van Dannen:
Wie der Tennisball, der es hasst, wenn man ihn schlägt
wie das Rettungsboot, das schweren Seegang nicht verträgt,
wie der Ventilator, der träumt, dass irgendjemand ihn kühlt,
wie das Steuerrecht, das sich unverstanden fühlt
Natürlich darf auch die Politik nicht zu kurz kommen, und so bietet „Hallo Berlin“ eine Hilfestellung für Politiker an. Denn die scheinen immer noch nicht mitbekommen zu haben dass es so nicht weitergehen kann …
Sehr gut gefällt mir das Liebeslied „Juli“:
Wenn jetzt schon Juli wär‘, würden wir uns nicht schreiben müssen,
wenn jetzt schon Juli wär‘, würden wir uns erst mal küssen.
Wenn jetzt schon Juli wär‘, bekämst du Frühstück ans Bett,
wenn jetzt schon Juli wär‘, wär‘ ich endlich komplett.Doch es ist still hier und du bist nicht da.
Ich glaube, ich will dir nur sagen: Du bist wunderbar!
Musikalisch interessant wird es bei „Du bist dran“, einer wunderbaren Latinnummer, die vom …naja, vom Spülen handelt! So hat man lateinamerikanische Musik vorher sicherlich noch nie gehört! Ich sag nur: Däng dägga dägga dä däng
„Achtung! Ich will tanzen“ fällt völlig aus dem Rahmen. Techno Beats treffen Dudelsäcke..natürlich trotzdem alles A-Capella und ohne Instrumente. Nun ja..gewöhnungsbedürftig. Und der Text sagt ja wohl auch alles:
Gib mir den Beat, gib mir die Bässe,
gib mir den Groove mitten auf die Fresse
„Alter Schwede“ erzählt die Geschichte von Olaf Johansson, der einfach jede Frau kriegt. Denn er kennt das Zauberwort, das bei jeder Schwedin funktioniert:
Du musst es ihnen einfach nur dreimal ins Öhrchen flüstern,
dann werden alle Frau‘n, wie soll ich sagen, beinah lüstern!“
Sehr lustiger Titel, der aber tragisch endet. Und wir werden das Zauberwort wohl nie erfahren …
Bei „Dieses Lied“ müssen die Wise Guys natürlich mal wieder sowas von tiefstapeln:
Dieses Lied ist ja sowas von überflüssig,
man hat dafür kaum Verwendung, es ist reine Zeitverschwendung.
Von wegen überflüssig! Das Lied ist einfach genial und geht richtig nach vorne, macht gute Laune und wessen Körper nicht wenigstens anfängt zu zucken, dem ist auch nicht mehr zu helfen …
Wie schon vom letzten Album bekannt, gibt es hier nochmal die „Chocolate Chip Cookies“, diesmal jedoch auf Englisch und mit verbessertem Rezept! Also probieren würd ich die Cookies ja schon ganz gerne mal. Denn das gesungene Rezept macht hungrig …
Zum Abschluß der Platte gibt‘s dann noch zweimal den „Ohrwurm“ (einmal als Studio- und eine Reprise als Live-Version), den man auch schon von der Früher EP kennt. Und falls jetzt jemand sagen sollte „Ohrwurm? Ach was, da bin ich absolut nicht anfällig für!“, dann sollte er sich das Stück einfach mal anhören. Diesem Ohrwurm entkommt niemand!
Wer lange genug sucht findet dann zur Belohnung auch noch den Hidden Track „Monica“ – eine Coverversion von Bodo Wartke (das Original gibt‘s übrigens hier als kostenlosen Download). Sehr empfehlenswert und ein fantastischer Abschluß für ein fantastisches Album!
Eigentlich hätte ich zu jedem der 21 Titel (inklusive Hidden Track) was schreiben können, aber dann wäre dieser CD-Tipp noch viel länger ausgefallen als er es sowieso schon ist. Insofern …einfach das Album kaufen und reinhören. Viel falsch machen kann man nicht
Als Bonus gibt‘s auf der CD noch das Video zu „Früher“, welches wirklich sehr schön gemacht ist und aus unverständlichen Gründen nie im Fernsehen lief …
Meine Anspieltipps: Wo der Pfeffer wächst, Früher, Du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf, Nur für dich, Du bist dran, Alter Schwede, Dieses Lied, Ohrwurm, Monica
badubadu tschickatschicka duu duu duuuuu
ähm, ja


Wenn du kannst, geh aufs Konzert im November, da sind sie in Trier. Ich war letztes Jahr dort, da haben sie auch aus diesem Album gesungen, und live ist es um ein Vielfaches geiler! Die Show ist sehr gut, die Moderationen bekannt amüsant, und irgendwie klingt es auch besser als vom Album.
Abgesehen davon ein schöner schön langer Artikel. Danke! Wenn ich das Album nicht schon hätte, du hättest mich überzeugt!
Oh, ja danke für den Tipp! Ich hätte nicht gedacht dass die so bald wieder nach Trier kommen. Aber ne coole Sache das! Ich kann mir vorstellen dass das live richtig richtig gut ist!
Absolut geiles album!!wise guys sind absolute spitze!!!!