15März2005
11:59 pm

Tom Liwa in der Moritzbastei Leipzig, 15.03.2005 

Tom Liwa

Bisher war mir Tom Liwa vor allem durch sein Album „St. Amour“ bekannt. Nachdem ich seinen letzten Auftritt in Trier verpasst hatte, bot sich jetzt ganz überraschend die Gelegenheit, Tom Liwa in der Moritzbastei in Leipzig beizuwohnen. Diesmal war Tom Liwa solo unterwegs, das heißt es gab ein Konzert im kleinen Rahmen, der Konzertsaal war bestuhlt und bot Platz für etwa 150 Musikliebhaber. Knapp eine Stunde vor Konzertbeginn sicherten wir uns einen Platz in der ersten Reihe und betrachteten die Bühne. War das nicht Tom Liwa da vorne? Ja doch, das war er. Wie auch auf Fotos wirkte er vom äußeren her etwas kauzig, was sich aber im weiteren Verlauf des Abends dann überhaupt nicht bestätigen sollte. Vor Konzertbeginn lehnte er locker an der Wand, nippte an einer Flasche Wasser, blies darauf herum und beobachtete wie sich langsam der Saal füllte. Pünktlich eine halbe Stunde vor Konzertbeginn piepste dann plötzlich ein Handy …Toms Handy, das ihm signalisierte dass er jetzt gleich einen Auftritt in Leipzig hat ;-) Also schnell noch in den Anzug geschlüpft und pünktlich um halb halb 10 ging es dann auch schon los.

Tom Liwa hatte drei Gitarren zur Auswahl, zwei akustische und eine elektrische, zwischen denen er munter hin und herwechselte und auch öfters mal die Stimmung der Gitarren veränderte. Bei der Songauswahl schöpfte er aus dem Vollen, vieles kannte ich nicht, einiges aber zum Glück dann doch. Aber gerade auch bei den mir unbekannten Stücken hat es sehr viel Spaß gemacht, genau zuzuhören. Denn die Akustik war fantastisch, man hat jedes Wort verstanden, und der Blick aus der ersten Reihe war natürlich auch nicht zu verachten. Zwischen den Liedern erzählte er immer mal wieder eine kleine Geschichte oder Anekdoten zu den einzelnen Liedern. So zum Beispiel eine schöne Geschichte die von einer Elfe und Riesen handelte, von denen der kleinste Riese so groß wie der Uniriese war.

Bei den bestimmt 30 Liedern, die gespielt wurden, wollte einfach keine Langeweile aufkommen. Zu gebannt hing man an den Lippen des Liedermachers und lauschte den Geschichten die das Leben schreibt. Auch von den Gitarrenkünsten war ich mehr als beeindruckt. Ich habe zu keiner Zeit eine Band vermisst, denn Tom Liwa hat es geschafft, die Stücke auf das Wesentliche zu beschränken. Stücke wie „Stunde des Zweifels“, „Julianastraat“, „Gib ihnen was sie wollen“ oder „Casanovas Rückkehr zum Planet der Affen“ haben regelrecht geatmet. Die Ausflüge zur E-Gitarre, wie beispielsweise die schöne schrammelige Version von „Für die linke Spur zu langsam“, sorgten für Abwechslung. Und sollte die Gitarre mittendrin mal etwas unsauber klingen, wurde das Lied halt nochmal von vorne gespielt, wie bei „Seltsames Mädchen“ („für alle Bootlegger“ ;-) .

Sehr beeindruckend war auch der Schluß des Konzerts. Es sollte nämlich keinen richtigen Schluß geben. Tom Liwa gab sage und schreibe 4 Zugabenblöcke und ging dazwischen nicht einmal von der Bühne. Stattdessen badete er regelrecht im Applaus, schaute jedem der Zuschauer in die Augen und fasste sich ans Herz. Sowas hab ich bis jetzt noch nicht erlebt. Natürlich freut sich jeder Künstler über Applaus, aber Tom Liwa hat den Applaus regelrecht in sich aufgesogen. Nach der dritten Zugabe blätterte er noch etwas in seinem Songbook, um vielleicht noch einen Text vorzulesen oder doch noch etwas zu spielen, fand aber nichts passendes. Kein Problem, denn wozu gibt es das Publikum? Gerne erfüllte Tom Liwa den Wunsch nach dem „Evolution Blues“ und schnappte sich zum letzten Mal für den Abend die E-Gitarre und beendete das Stück mit einem furiosen Backstage-Solo.

Und so ging dann nach knapp 2 1/2 Stunden ein wunderschöner Abend zu Ende, von dem ich noch lange zehren werde. Sicherlich auch weil es der zweite Jahrestag von meiner Freundin und mir war. Also gleich zwei Gründe den Tag rot im Kalender zu markieren :-)

Bewertung: 6 von 6

[Update: Die Leipziger Volkszeitung hat ebenfalls einen lesenswerten Konzertbericht veröffentlicht]

5 Comments

  1. 20. März, 2005 @ 5:06 pm
     Anke:

    Oh mein Schatz …wie schön du das geschrieben hast! :-) Du kannst dich ja noch an jede Einzelheit erinnern (außer an die Tulpen auf der Bühne *g*), toll. So hätte ich meinen „Bericht“ auch gern geschrieben …aber irgendwie wußt ich nicht so recht wie und naja …aber ich hab ja dich und kann‘s hier immer wieder nachlesen! Danke! :-) )

  2. 20. März, 2005 @ 7:16 pm
     David:

    Naja, an alles konnt ich mich nicht mehr erinnern, aber der Sinn meiner Konzertberichte ist ja dass ich mich auch nach nem Jahr noch an das Konzert erinnern kann bzw. halt dann nachlesen kann wie toll es war. Und da gehören dann ein paar Einzelheiten dazu. Und natürlich mach ich‘s auch als Service für dich :-)

  3. 21. März, 2005 @ 7:41 am
     Anke:

    Ja wie nett, danke! :-) )

  4. 21. März, 2005 @ 5:55 pm
     Anke:

    Oh und du hast noch was vergessen …aber ich bis jetzt grad auch! Das „Ach danke! Ihr seit so …hmmm, so super.“ gg

  5. 25. September, 2005 @ 6:42 pm
     woven:

    thx für den bericht….
    und jetzt heisst es warten, bis er nach stuttgart kommt.

    greetz

 

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