Archive for März, 2005

Kettcar - Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen

Wer bisher noch nicht die Limited Edition des neuen Kettcar Albums Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen mit Bonus DVD sein Eigen nennt, sollte schnell zuschlagen. Denn bei amazon.de gibt‘s schon „nur“ noch die normale Ausgabe. Nicht dass die musikalisch nicht genauso wertvoll wäre …aber einem entgehen die gesprochenen Linernotes. Und die sind echt der Hit. Vor allem die Geschichte zu Stockhausen, Bill Gates und ich, „der einzig wahren Geschichte auf dem Album“:

Marcus Wiebusch (der Kettcar Sänger und Songschreiber) war im September 2001 in New York unterwegs, um mit Death Cab for Cutie Verträge für sein Label Grand Hotel van Cleef auszuhandeln. Im Fahrstuhl trifft er dabei auf Bill Gates (ohne Leibwächter) und wenig später auf Karlheinz Stockhausen. Und jetzt passiert‘s: der Fahrstuhl bleibt stecken. Marcus Wiebusch versucht sich mit Smalltalk und muss Bill Gates erstmal erklären wer Stockhausen überhaupt ist. Stockhausen reagiert schon etwas säuerlich da Bill Gates noch nie etwas von ihm gehört hat. Das Gespräch eskaliert..

Bill Gates: Was ist denn das für eine Kunst von der noch nie ein Mensch gehört hat?
Karlheinz Stockhausen: Das was Sie geschaffen haben hat doch keinen Bestand!
Bill Gates: Hallo? Ich bin Bill Gates, der reichste Mann der Welt! Natürlich hat das was ich mache Bestand!
Karlheinz Stockhausen: Das ist doch gar nichts außer Geld verdienen!

Langsam wird die Luft dick. Wie aus heiterem Himmel sagt Bill Gates: Es ist besser, für das was man ist, gehasst, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden
Und Stockhausen schlägt zu. Mitten ins Gesicht. Blut schießt aus der Nase. Die Brille hängt auf halb 8.
Marcus Wiebusch versucht, die Situation mit einer auf Ebay ersteigerten Skurrilität zu retten: dem gebrochenen Daumen von Carlos Santana. Aber da geht auch schon die Tür auf. Und dann holten sie uns raus

Ist diese Geschichte wirklich so passiert? Unwahrscheinlich. Aber nichtsdestotroz ist das ganze sehr unterhaltsam. Laut kettcar.net basiert der Song auf dem Roman „Stockhausen, Bill Gates and me“ von Simon H. Cummings. Nie was von gehört …

Kleine Notiz am Rande: Während den gesprochenen Linernotes von Marcus Wiebusch (die wohl während der Tour aufgenommen worden sind) lässt sich bei genauem Hinhören ein Auftritt von Bernd Begemann ausmachen. Schön :-)

 

Okay, das ist jetzt nicht wirklich ne neue Erkenntnis, dass VIVA (PLUS) Zuschauer im Allgemeinen keinen Musikgeschmack haben. Aber gestern Nacht hab ich mal wieder die Folgen zu spüren bekommen. Auf VIVA PLUS lief nämlich in der Sendung X-Rated das geniale Video zu Come On My Selector von Squarepusher (Regie: Chris Cunningham). Ich mich also total gefreut dieses Juwel unter den Musikvideos endlich mal wieder in voller Länge betrachten zu können.. Und was ist? Die Zuschauer wählen das Video ab und VIVA spielt einfach das nächste. Das darf ja wohl nicht wahr sein!! Jetzt gibt es endlich mal ein Format wo man künstlerisch wertvolle Videos spielen könnte und keiner will sie sehen. Stattdessen unzensierte HipHop Videos en mas, die uninspirierter nicht sein könnte. Tolles Musikfernsehen..echt …

Immerhin bietet sputnik7 das Video im Streaming-Format an. Besser als nix …

 

Fleisch ist mein GemüseVor ein paar Tagen habe ich endlich mit dem Buch Fleisch ist mein Gemüse von Heinz Strunk angefangen, welches ich schon zu Weihnachten bekommen habe, und es dann auch quasi in einem Rutsch durchgelesen. „Fleisch ist mein Gemüse“ ist die tragisch-komische Autobiografie von Heinz Strunk. Eine Geschichte über seine Zeit als Mucker in der Tanzband „Tiffanys“, seine Probleme mit Acne Conglobata und natürlich Frauen. Tanzmucker bewegten sich mit ihrem Sozialprestige ungefähr auf dem Niveau von Aushilfskellnern. Man wurde nicht als Musiker wahrgenommen, sondern als ganz armes Würstchen, das auf der Bühne herumhampeln muss, damit es finanziell irgendwie reicht.

Wer sich nicht schon von Titel und/oder Umschlaggestaltung abschrecken lässt, wird mit einer zwar irgendwie tristen, aber doch nie den Sinn für Humor verlierenden Geschichte belohnt, die erzählt wie es war, in dem Arbeiterviertel Harburg aufzuwachsen und als Musiker zweiter Klasse im Schattenreich der Tanzmusik seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das Buch ist gespickt mit allerlei Zitaten aus der populären Tanzmusik und ich musste des öfteren laut auflachen, da die Songtexte teilweise doch in einen sehr bizarren Kontext gestellt werden.

Interessant war, dass ich gestern beim rumzappen zufällig bei 3 nach 9 hängengeblieben bin und gerade noch den letzten Talkgast miterleben konnte …eben Heinz Strunk. Nach dem Einspieler war ich ja erstmal etwas geschockt, denn man sah Videoaufnahmen aus seiner Jugend, eben aus seinen Jahren als Saxophonist bei „Tiffanys“. Hatte ich vorher noch Zweifel gehegt, ob das Buch wirklich autobiographisch war, hatte ich nun die Gewissheit. Ohje, der arme Heinzer …
Heinz Strunk hat dann auch noch eine kleine Kostprobe seines musikalischen Könnens auf dem Saxophon gegeben und auch ein paar Seiten aus dem Buch vorgelesen. Und ich muss schon sagen dass ich mir jetzt wirklich eine Hörbuchfassung von „Fleisch ist mein Gemüse“ wünsche. Denn Heinz Strunk gab jeder Figur ihren eigenen Charakter und füllte sie mit Leben, und das noch mehr als im Buch sowieso schon geschehen …

Übrigens, Bilder von „Tiffanys“ gibt‘s auf der Seite von Heinz Strunk und eine wirklich gut geschriebene Rezension zum Buch beim Titel-Magazin.

Und vielleicht sollte ich mir auch endlich mal was von Studio Braun besorgen …

 

Seit heute gibt‘s die sechste Ausgabe des Mercedes-Benz Mixed Tapes. 15 Titel, knapp 90 MB, wie immer bunt gemischt, und diesmal sogar mit einem Titel von Maximilian Hecker. Man darf gespannt sein!

Achja, und wie immer gilt natürlich …Pop-Up-Blocker ausstellen!

 
20März2005

The Da Vinci Code

The Da Vinci Code

Während einer langen Zugfahrt gestern und nach einer kurzen Nacht heute Morgen hatte ich endlich genügend Zeit, The Da Vinci Code fertig zu lesen. Nach Meteor und Illuminati war das bereits mein drittes Buch von Dan Brown und das erste auf englisch. Nachdem ich ja erst etwas skeptisch war ob das alles klappt auf englisch, hat sich der Erfolg doch ziemlich schnell eingestellt. Bereits nach den ersten Seiten hatte ich schon gar nicht gemerkt dass das Buch in einer Fremdsprache geschrieben ist und war mittendrin in der spannenden Handlung.

Wer bis jetzt noch gar nichts von Dan Brown gelesen hat, sollte sich mal eins der Bücher anschauen. Sowas spannendes und unterhaltsames hab ich schon lange nicht mehr gelesen. Dan Brown schafft es, die Bücher so spannend zu schreiben, dass man sie am liebsten in einem Rutsch durchlesen würde. Was ich zum Großteil auch gemacht habe :-)

Nachdem ich bis jetzt „nur“ die Taschenbuchausgabe vom Da Vinci Code besitze, bin ich im Moment irgendwie scharf auf die illustrierte Fassung. Da hätte man dann etwas mehr Bezug zu den Kunstwerken und Örtlichkeiten, die im Buch Erwähnung finden. Und außerdem sieht‘s sehr sehr schick und edel aus.

Sehr gespannt bin ich auf die Verfilmung, die nächstes Jahr in die Kinos kommen soll. Tom Hanks, Jean Reno und Audrey Tautou klingen ja schonmal nach Top-Besetzung, und ich kann mir die Schauspieler auch wirklich gut für die entsprechenden Rollen vorstellen. Bis jetzt hab ich also große Hoffnung dass der Film funktionieren wird.

Wie ich gerade gesehen habe, wird es am Karfreitag im TV zwei Sondersendungen über den Da Vinci Code geben. Zum einen auf Pro 7 „Sakrileg oder Legende? Das Rätsel um den Da Vinci Code“ und zuam anderen im ZDF „Maria Magdalena – Heilige oder Hure?“. Leider kommen beide Sendungen zeitgleich um 18:15 Uhr. Naja, ich werd mir dann wohl eher die Da Vinci Code Doku auf Pro 7 reinziehen. Da bin ich mit lesen ja gerade noch rechtzeitig fertig geworden um mir nicht den ganzen Spaß zu verderben :-)

 

Tom Liwa

Bisher war mir Tom Liwa vor allem durch sein Album „St. Amour“ bekannt. Nachdem ich seinen letzten Auftritt in Trier verpasst hatte, bot sich jetzt ganz überraschend die Gelegenheit, Tom Liwa in der Moritzbastei in Leipzig beizuwohnen. Diesmal war Tom Liwa solo unterwegs, das heißt es gab ein Konzert im kleinen Rahmen, der Konzertsaal war bestuhlt und bot Platz für etwa 150 Musikliebhaber. Knapp eine Stunde vor Konzertbeginn sicherten wir uns einen Platz in der ersten Reihe und betrachteten die Bühne. War das nicht Tom Liwa da vorne? Ja doch, das war er. Wie auch auf Fotos wirkte er vom äußeren her etwas kauzig, was sich aber im weiteren Verlauf des Abends dann überhaupt nicht bestätigen sollte. Vor Konzertbeginn lehnte er locker an der Wand, nippte an einer Flasche Wasser, blies darauf herum und beobachtete wie sich langsam der Saal füllte. Pünktlich eine halbe Stunde vor Konzertbeginn piepste dann plötzlich ein Handy …Toms Handy, das ihm signalisierte dass er jetzt gleich einen Auftritt in Leipzig hat ;-) Also schnell noch in den Anzug geschlüpft und pünktlich um halb halb 10 ging es dann auch schon los.

Tom Liwa hatte drei Gitarren zur Auswahl, zwei akustische und eine elektrische, zwischen denen er munter hin und herwechselte und auch öfters mal die Stimmung der Gitarren veränderte. Bei der Songauswahl schöpfte er aus dem Vollen, vieles kannte ich nicht, einiges aber zum Glück dann doch. Aber gerade auch bei den mir unbekannten Stücken hat es sehr viel Spaß gemacht, genau zuzuhören. Denn die Akustik war fantastisch, man hat jedes Wort verstanden, und der Blick aus der ersten Reihe war natürlich auch nicht zu verachten. Zwischen den Liedern erzählte er immer mal wieder eine kleine Geschichte oder Anekdoten zu den einzelnen Liedern. So zum Beispiel eine schöne Geschichte die von einer Elfe und Riesen handelte, von denen der kleinste Riese so groß wie der Uniriese war.

Bei den bestimmt 30 Liedern, die gespielt wurden, wollte einfach keine Langeweile aufkommen. Zu gebannt hing man an den Lippen des Liedermachers und lauschte den Geschichten die das Leben schreibt. Auch von den Gitarrenkünsten war ich mehr als beeindruckt. Ich habe zu keiner Zeit eine Band vermisst, denn Tom Liwa hat es geschafft, die Stücke auf das Wesentliche zu beschränken. Stücke wie „Stunde des Zweifels“, „Julianastraat“, „Gib ihnen was sie wollen“ oder „Casanovas Rückkehr zum Planet der Affen“ haben regelrecht geatmet. Die Ausflüge zur E-Gitarre, wie beispielsweise die schöne schrammelige Version von „Für die linke Spur zu langsam“, sorgten für Abwechslung. Und sollte die Gitarre mittendrin mal etwas unsauber klingen, wurde das Lied halt nochmal von vorne gespielt, wie bei „Seltsames Mädchen“ („für alle Bootlegger“ ;-) .

Sehr beeindruckend war auch der Schluß des Konzerts. Es sollte nämlich keinen richtigen Schluß geben. Tom Liwa gab sage und schreibe 4 Zugabenblöcke und ging dazwischen nicht einmal von der Bühne. Stattdessen badete er regelrecht im Applaus, schaute jedem der Zuschauer in die Augen und fasste sich ans Herz. Sowas hab ich bis jetzt noch nicht erlebt. Natürlich freut sich jeder Künstler über Applaus, aber Tom Liwa hat den Applaus regelrecht in sich aufgesogen. Nach der dritten Zugabe blätterte er noch etwas in seinem Songbook, um vielleicht noch einen Text vorzulesen oder doch noch etwas zu spielen, fand aber nichts passendes. Kein Problem, denn wozu gibt es das Publikum? Gerne erfüllte Tom Liwa den Wunsch nach dem „Evolution Blues“ und schnappte sich zum letzten Mal für den Abend die E-Gitarre und beendete das Stück mit einem furiosen Backstage-Solo.

Und so ging dann nach knapp 2 1/2 Stunden ein wunderschöner Abend zu Ende, von dem ich noch lange zehren werde. Sicherlich auch weil es der zweite Jahrestag von meiner Freundin und mir war. Also gleich zwei Gründe den Tag rot im Kalender zu markieren :-)

Bewertung: 6 von 6

[Update: Die Leipziger Volkszeitung hat ebenfalls einen lesenswerten Konzertbericht veröffentlicht]

 
15März2005

Am Wasser gebaut

Das nenn ich mal ordentliche Promotion. Als Vorgeschmack auf das am nächsten Montag erscheinenede neue Album von Fettes Brot kann man sich unter am-wasser-gebaut.de bereits heute das komplette Album im MP3-Format anhören. Zwar nur in schlechter Qualität, aber dafür komplett. Und die Texte gibt‘s auch noch dazu (wenn auch nur im proprietären Word-Format). Hier könnte sich mancher Künstler eine Scheibe abschneiden. Denn das Konzept ist stimmig. MP3s runterladen, reinhören, und bei Gefallen kaufen. Der Käufer weiß genau was einen erwartet. Eine runde Sache :-)