Also ich hatte ja schon viel von Slut gehört und war sehr gespannt wie die live denn so sind. Die Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt, nachdem man erstmal fast ne halbe Stunde in der Kälte warten musste und drinnen dann nochmal ne knappe Stunde bis die Vorgruppe endlich anfing. Irgendwas haben diese Jugendzentren an sich dass es nicht möglich ist die Anfangszeiten einzuhalten und dass alles mindestens ne Stunde später als geplant anfangen muß. Aber egal, irgendwann ging es dann ja mit der Vorgruppe los. Und obwohl ich ja bis jetzt immer Glück mit den Vorgruppen hatte und die eigentlich immer sehr toll fand und auch schon öfters hauptsächlich wegen der Vorgruppe auf nem Konzert war, musste ich diesmal leider in den sauren Apfel beissen. Tellaro aus Italien.
Hmm, also entweder wollten die nicht ordentlich spielen oder ich hab’s nicht verstanden. Los ging’s mit nicht enden wolleneden Dissonanzen, und selbst als die vorbei waren, wurde es nicht wirklich besser. Ein sehr arrogant wirkender Sänger/Gitarrist, der das Publikum mit keinem Blick gewürdigt hat und einfach gemacht hat was er wollte. Minutenlange Pausen zwischen den Liedern, sehr seltsame Ansagen und Songs die keine waren. Irgendwann hatte man sich zwar dran gewöhnt und gegen Ende wurde es auch etwas besser, aber die dreiviertel Stunde hätte man sich definitiv sparen können.
Dafür kamen dann aber endlich Slut auf die Bühne. Und auf einmal war wieder alles im Lot. Definitiv rockiger als auf Platte und sehr mitreißend. Pogotanz vor der Bühne, wir im sicheren Abstand auf einem kleinen Podest an der Seite, von dem man alles prima beobachten konnte (jaja, ich werde alt
. Gespielt wurden überwiegend Stücke vom letzten Album “All we need is silence”, so natürlich auch die aktuelle Single “Why Pourquoi”, mit der Slut beim Bundesvision Song Contest starten. Die deutschen Passagen haben hier zwar gefehlt, aber auf die einzige deutsche Zeile des Songs kann man eh getrost verzichten. Und hier stand definitiv der Rock im Vordergrund. Zwischendurch wurden dann noch einige der Highlights der letzten Alben eingestreut, die sich sehr gut in den Sound der neueren Stücke eingepasst haben. Durch die gelegentliche Einspielung von Drumloops und die Verwendung des E-Pianos war für Abwechslung gesorgt. Und zu “No Time” gab’s sogar ein kleines Intermezzo mit einem “Russenchor” (Sänger am E-Piano, Rest der Band singt auf englisch, aber wie ein russischer Kosaken-Chor
. Im Vergleich zur Vorgruppe war das wirklich ein Unterschied wie Tag und Nacht. Slut rocken, Slut haben richtige Songs, Slut reißen mit. Ach, es war einfach toll! Sehr symphatische Musiker, die es verstehen ein Publikum zu unterhalten.
Leider ist man von manch anderen Konzerten eine längere Setlist gewöhnt, so dass man nach der einen Stunde Konzert schon etwas enttäuscht war. Aber der halbstündige Zugabenblock hat das auch wieder wett gemacht. Wobei das letzte Stück fast hätte ausfallen müssen, weil der Verstärker streikte. Aber da ein netter Mensch sich backstage erbarmte, bei jedem Aussetzer nochmal beherzt auf den Röhrenverstärker zu hauen, war der Konzertabschluß gerettet
Bewertung: 6 von 6 (die Vorgruppe lass ich mal außen vor)