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11:52 am
Album der Woche 2/2005: Tele – Wovon sollen wir leben
Auf geht’s in die zweite Runde der Albumkritiken. Heute am Start: Tele mit “Wovon sollen wir leben”. Der ein oder andere hatte vielleicht das Glück, sie als Support-Act von Phoenix oder Sting live zu sehen. Schon hier sollte klar sein, dass Phoenix kein One-Hit Wonder sind, sondern richtig was drauf haben. Leider ist die Single “Falschrum” nicht so richtig durchgestartet, aber für viele war es definitiv eines der schönsten Lieder des letzten Jahres!
Für diejenigen die noch gar nix von Tele gehört haben….es fällt mir schwer die Musik in Worte zu fassen. Sicherlich klingt es etwas nach den 80er Jahren, aber Tele darauf zu beschränken würde ihnen nicht gerecht werden. Denn sie nehmen sich einfach was sie brauchen und kreieren damit es etwas völlig neues. Raus kommt ein 80er-beeinflusster, funky groovender Soul mit tollern Bläsersätzen, geslapptem Bass, schönen Chören und natürlich(en) deutschen Texten. Der ein oder andere Break an der richtigen Stelle und sanfte Synkopen tun ihr übriges. Dabei bildet die etwas angerauhte Stimme von Francesco Wilkings einen tollen Kontrast zur Musik. Musikalisch könnte man das ganze schon mit Phoenix vergleichen, aber am besten hört ihr einfach mal selbst rein, z.B. im iTMS (einfach oben auf das Cover Artwork klicken).
Das Album startet mit “Wenn du gehst” und der schönen Textzeile:
Schlaflos Express
Deine Brust geht auf und ab
wenn du die Luft zum Laufen hast
hält dich nichts mehr an
80er Jahre Touch, sicherlich, aber auf die unpeinliche Art und sehr mitreissend. Und etwas später wird der Titel in “Wenn du gehst Part II” nochmal überraschend als Reggae aufgegriffen. Im nächsten Titel “Wunder in Briefen” darf dann sogar georgelt werden, aber das macht nix, denn als Ausgleich hat das Stück ordentlich Groove und natürlich auch tolle Texte:
Es werden immer mehr Wunder in Briefen verschickt
Aber wie kannst du die seh’n
Wenn du nur zweimal im Jahr Post kriegst
Und das sogar noch oft ist
Weil da meistens keine ist
Und du dann alleine bist
Du gehst auf die Ämter und willst dich beschwer’n
Aber da ist niemand mehr da
Die sind zuhaus’ und feiern Feiern
Beim nächsten Titel gibt es sogar ein kleines (was ja sonst doch sehr verpönt ist) Keyboardsolo. Dürfen die das?? Jaaa, sie dürfen, denn es passt sich dem Gesamtkontext an und klingt nicht so kitschig wie man jetzt vielleicht denken könnte.
Allerspätestens beim nächsten Titel “Falschrum” sollte es dann auch wirklich kein Halten mehr geben:
Diese Welt ist falschrum
Oder du hältst sie falschrum
Ich hab lange gebraucht
Um zu verstehen,
Dass immer nur Zeichen und nie Wunder geschehen
Im weiteren Verlauf des Albums findet man noch viele tolle Reminiszensen an die 80er, wie z.B. Glöckchenklänge, ein Trompeten- und ein Saxofonsolo (und das auch noch hintereinander!) und andere Überraschungen. Aber ich möchte nochmal betonen dass sich das alles wunderbar in die Musik eingliedert und man nie nie nie angewiedert auf weiter drückt!
Abschließen möchte ich mit einem Zitat aus dem Titel “Dilemma”, einem fetten R&B-Stück, das folgende Zeilen wie ein Mantra immer und immer wieder wiederholt:
Es geht kein Weg raus hier
nur immer im Kreis wie im Laufstall
Ich geh dagegen wie Tauziehen
und seh zu dass es aufhört
Achja, Judit Holofernes von Wir sind Helden soll hier auch noch bei zwei Stücken im Chor mitsingen. Das fällt nicht wirklich auf, aber erwähnen wollt ich’s doch noch. Denn wer die Helden mag wird bestimmt auch Gefallen an Tele finden. Sag ich jetzt mal so
Meine Anspieltipps: Wenn du gehst, Wunder in Briefen, Falschrum, Die besseren Zeiten, Dilemma


Oh, das hast du aber schön geschrieben!
)
Dankeschön
Aber über gute Musik muss man schließlich auch gut schreiben! Naja zumindest geb ich mir Mühe